Corporate Therapy
Noch ein Business Podcast! Juhu! Wer braucht denn sowas?
Corporate Therapy ist ein kritischer Management Podcast – und der Name ist Programm: Wir legen darin „die Corporate” und gelegentlich auch uns selbst auf die sprichwörtliche Couch. Gemeinsam versuchen wir, Probleme und Phänomene rund um Arbeit und Organisation besser zu verstehen und vielleicht ab und an auch eine Lösungsstrategie zu entwickeln – jedoch ohne Garantie auf Genesung!
Wir sind Human Nagafi, Mary-Jane Bolten und Patrick Breitenbach.
Neben den Beiträgen unserer großartigen Gäste aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft freuen wir uns auch sehr über Fragen, Kritik und Anregungen von euch. Dazu könnt ihr uns entweder per Mail oder LinkedIn schreiben oder euch direkt zu einem unserer Live-Podcasts einschalten und mitdiskutieren. Viel Spaß und gute Erholung.
Corporate Therapy
Episode #005.1 // Nachtrag zu "New Work"
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Mary-Jane und Human haben in der Post-Produktion zur Episode 5 einen Geistesblitz gehabt. Hier noch mal kurz zusammengefasst.
Cool, also, das ist jetzt eine Nachaufnahme. Das, was ihr jetzt hört, haben wir am nächsten Tag in der Postproduction des Podcasts zum Thema New Work, haben die gute Mario und ich nochmal zusammengesetzt und uns ist eine Sache aufgefallen. Zu Beginn des Podcastes reden wir über Max Weber und Karl Marx und Friedrich Bergmann und wir reden sehr viel über den Sinnbegriff und Arbeit und Sinnstiften und Überwinden und so weiter. Wir haben jetzt im Nachgang zusammen nochmal so, ich sag mal, eine Synthese generiert. Ob das jetzt eine Lehrbuchsynthese ist, wissen wir nicht. Aber für uns kam in der Debatte und so ein paar Ideen haben wir angefangen zu diskutieren. Und ich würde es einfach mal anfangen, oder Mary? So müssen wir es aufbauen. Cool. Also, ich habe Mary angehauen und meinte so: guck mal, Mary, der Max Weber, der sagt ja, jede Handlung ist Sinnstiftung. Und da haben wir im Grunde in dem Podcast am Anfang darüber gesprochen, dass Arbeit war sinnsstiftend. Also im Grunde, wir haben was gemacht und es gehörte uns. Also wir haben gesagt, wir wollen einen Tisch bauen. Wir haben gesagt, wir wollen jemandes Haare schneiden. Wir haben gesagt, wir wollen Brot backen. Und dann entscheiden wir, was wir damit machen. Ob wir das behalten, essen, konsumieren, verkaufen, verschenken, keine Ahnung, verbrennen. Es ist ja egal. Das ist ja unsere Entscheidung, es zu tun. Also es ist ja sozusagen, es ist unser Ding. Und das war im Grunde die sinnstiftende Handlung. Und dann kam die Industrialisierung. Und mit der Industrialisierung gehen wir jetzt mal so ein bisschen in Richtung Karl Marx, der gesagt hat, Arbeit ist dann entfremdet worden. That bedeutet, es gibt eine Trennung von dem, was ich tue und wem das Ergebnis gehört, das Produkt, das Ergebnis. Und das fand ich im Nachgang ziemlich spannend, weil ich mir dann dachte, ist es denn noch sinnsstiftende Arbeit, wenn jemand mir sagt, was ich tun soll?
SPEAKER_01Du bist sogar noch weitergegangen und du hast gesagt, schau mal, ist das nicht, dass jemand anderem, dass jemand anderes meiner Handlung einen Sinn gibt?
SPEAKER_02Genau, absolut. Also ist das noch sinnsstiftende Arbeit oder sinnsstiftende Handlung oder sinnhaftes oder Handeln im max-weberischen Sinne, wenn mir jemand sagt, was ich tun soll. Und da sind wir ein bisschen auch bei dem Begriff, was wir vorher diskutiert haben, mit Entscheidungsfreiheit. Niemand zwingt mich, das zu tun. Ich kann auch was anderes tun. Und Handlungsfreiheit. Und das Interessante, und ich hatte das Beispiel gebracht, ich habe mal eine Weile bei McDonalds gearbeitet. Also man hat mir gesagt, wie ein Cheeseburger aussehen soll, man hat mir gesagt, wie viel Gramm Zwiebeln draufgehen soll, und man hat mir gesagt, wie viele sie davon brauchen. Und ich habe es gemacht. War das jetzt meine sinnstiftende Handlung? Oder eigentlich nicht? Und wenn man jetzt die Industrialisierung ja richtig crazy zieht, sagt man, es gab eine Phase, da haben die Leute wahrscheinlich schon im Blindflug. Also sie haben ja gar nicht mehr, also sie merken ja gar nicht, die hauen den Stempel drauf und dann machen die Handbewegung und so weiter. Ist dann Arbeit noch Sinsstiftung? Oder ist das sinnstifender Handlung nach Weber?
SPEAKER_01Und das ist dann, was wir als, also landläufig als Bürokratie, ich meine jetzt mal nicht als Organisationsform, sondern das, was wir als Bürokratie schimpfen, sozusagen. Ja, ich mache halt meinen Stempel, dann kommt das nächste Formular, Stempel, dann kommt das nächste Formular, so ein Automatismus zu haben.
SPEAKER_02Genau, also auf der einen Seite, da wo ich sage, wo man so Kognition eigentlich betreiben wird, ist es diese Bürokratie. Auf der anderen Seite ist es halt Fließbandmaschinerie. Also Charlie Chaplin und das und ich glaube, dann sind wir ja bei diesem und entfremdeter Arbeit. Also ich, und wir hatten ja gelesen, wo Marx ja auch sagt, der Mensch verliert sein Menschsein dadurch, weil seine Handlungen nicht mehr ihm gehört. Er verkauft nur noch seine Arbeitszeit.
SPEAKER_01Und was man jetzt natürlich tun kann, ist zu sagen, okay, ich nutze Arbeit einfach nur als Vehikel, um Geld zu verdienen, um dann die Handlungen, die ich außerhalb der Arbeit betreibe, damit finanzieren zu können. Und die Handlungen außerhalb der Arbeit, die sind dann die, die sinnsstiftend sind.
SPEAKER_02Genau, das heißt, die Arbeit an sich verliert ja damit seine sinnsstiftende Bedeutung. Sie ist nur Mittel zum Zweck.
SPEAKER_01Genau. Aber eben nicht zu einem nicht unmittelbar, sondern nur mittelbar.
SPEAKER_02Ja, aber es ist ja verrückt, was wir ja gerade sagen, ist die Handlung, die wir auf der Arbeit durchführen, und ja, klar, wir können die Innovation Centers Leute nehmen und so weiter, die klammern wir aus. Aber die Mehrheit der Menschen, dass sie es tun sollen. So, also wir werden ja fremdbestimmt, die organization, we werden ja kontrolliert und da gibt es die Manager and all that Kram. And damit ist ja spannend, wenn wir einen Schritt weiter gehen und sagen, was hat denn Friedrich of Bergmann gesagt? Und das ist ja dieses Ding, wo wir uns auch vielleicht so ein bisschen hin und her diskutiert haben, dass er gesagt hat, Arbeit hat diese Geldingsfunktion überwunden und sie hat eine neue sinnsstiftende Funktion. Und ich glaube, da haben wir beide immer so ein bisschen hin und her gewackelt. Was mein Welt hat sich auch nicht mehr so gut.
SPEAKER_01Und das hat sich jetzt nämlich endlich gelöst. Also weil wir vorher haben wir gesprochen, dass die Handlungen sind unmittelbar sinnsstiftend. Und jetzt sind wir bei der Arbeit und handeln da, aber ohne den unmittelbaren Sinnstiftungsaspekt. Aber was Arbeit geschafft hat, ist, dass sie so eine Art religiöses Dach darüber gelegt hat, indem wir quasi unsere Ordnung finden in der Arbeit. Unabhängig von der konkreten Handlung, die darin passiert. Das heißt, dass wir nicht mehr außerhalb der Arbeit Sinn suchen gehen, sondern Arbeit zu haben, überhaupt in diesem sozialen Konstrukt mit Status, mit Anerkennung und so weiter und so fort zu sein, das ist das, was sinnsstiftend geworden ist an der Arbeit. Also Arbeit sozusagen als Religion.
SPEAKER_02Richtig. Arbeit mit ihren Ritualen und all dem Kram, den es dazugehört. Arbeit als Religion, als Identitätsstiftung. Sie gibt uns Meaning, Bedeutung in unserem sozialen ökonomischen Kontext. Und das Spannende ist ja, und das ist ja da, wo wir immer so ein bisschen festgesteckt haben, weil Bergmann kritisiert das ja eigentlich.
SPEAKER_01Ja, weil Bergmann sagt, damit bist du immer noch nicht frei.
SPEAKER_02Genau.
SPEAKER_01Du bist immer noch in einem, also der Sinn ist immer noch nicht an deine Handlung wieder zurückgekoppelt, sondern deine Handlung ist immer noch sinnentfremdet. Du bist immer noch unfrei, weil dir dieses Konstruktarbeit vorgibt, wo du bist, was du zu tun hast, etc. Und da sagt er, das müssen wir aufbrechen. Also diese Religion, Arbeit, die müssen wir aufbrechen und sinnsstiftende Handlung wieder als Arbeit gestalten.
SPEAKER_02Genau, im Grunde ist es die Transzendenz. Wir werden zur Religion selber. Also wir entscheiden selber, was wir tun. Und das ist ja mega spannend. Weil, ich meine, da sagt er ja auch selber, du machst das, was du wirklich wirklich willst, und dann hast du diese andere Maschine, die kümmert sich darum, dass du dir keine Sorgen machen musst. Ja, und damit haben wir eine Synthese.
SPEAKER_01Ja, super cool. Danke, dass du es nochmal aufgebracht hast. Das hat für mich auf jeden Fall sehr viel Klarheit geschaffen. Ich glaube, das haben wir im Podcast selbst nicht ganz glatt gezogen bekommen, aber jetzt mit so einem kleinen bisschen Abstand sehr gut.
SPEAKER_02Damit ist der Podcast nochmal zehn Minuten länger. Mit seiner epischen Länge. Aber ich glaube, also sowohl für uns als auch für den geneigten Zuhörer, der es so lange ausgehalten hat, bis zum Ende das mitzumachen, vielleicht eine spannende Erkenntnis. Ob das jetzt, wie gesagt, ich distanziere mich von Lehrbuchdefinition. Das ist jetzt einfach mal die Synthese, die wir gerade geschlossen haben aus Weber, Engels, nicht Engels, das ist der andere Dude. Weber, Marx und Bergmann. Cool.
SPEAKER_01In dem Sinne, vielen lieben Dank, dass ihr so lange zugehört habt.
SPEAKER_02Und auch zum nächsten Mal. Ciao.