Corporate Therapy
Noch ein Business Podcast! Juhu! Wer braucht denn sowas?
Corporate Therapy ist ein kritischer Management Podcast – und der Name ist Programm: Wir legen darin „die Corporate” und gelegentlich auch uns selbst auf die sprichwörtliche Couch. Gemeinsam versuchen wir, Probleme und Phänomene rund um Arbeit und Organisation besser zu verstehen und vielleicht ab und an auch eine Lösungsstrategie zu entwickeln – jedoch ohne Garantie auf Genesung!
Wir sind Human Nagafi, Mary-Jane Bolten und Patrick Breitenbach.
Neben den Beiträgen unserer großartigen Gäste aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft freuen wir uns auch sehr über Fragen, Kritik und Anregungen von euch. Dazu könnt ihr uns entweder per Mail oder LinkedIn schreiben oder euch direkt zu einem unserer Live-Podcasts einschalten und mitdiskutieren. Viel Spaß und gute Erholung.
Corporate Therapy
Episode #042 // Du hast nur eine Chance wahrgenommen zu werden, wenn du auf den Punkt kommst und diesen Punkt kennst. Punkt.// mit Jörg-Michael Junginger
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In Episode 42 erkärt uns Jörg-Michael Junginger worauf es bei (Unternehmens-)Kommunikation ankommt:
Kurze, knackige Botschaften, eine Mischung aus Information und Emotion und ein Verständnis von Publikum und Medium. Dazu muss man sich im Klaren darüber sein, was man sagen will, aber auch darüber, was das Publikum aufnehmen kann.
Wir analysieren unser eigenes Sprechdenken, fragen uns, wann Kommunikation authentisch ist und warum Buzzwords trotz Inhaltsleere überfordern. Die Episode in einem Satz: Mary-Jane überlegt, wie authentisch Unternehmen überhaupt kommunizieren können, Jörg-Michael Junginger betont die Wichtigkeit der Knappheit und Human sortiert zwischen Storytelling und Fakten.
Shownotes:
Media-advice
Der Leitsatz ist, du musst beim Vortrag, bei der Rede, du musst es schaffen, dein Publikum innerlich, gedanklich, emotional teilhaben zu lassen. Also die Formulierung in einer Geschichte aufgehen. Ich bin in deiner Geschichte aufgegangen. Wenn ich dir zugehöre, gehe ich in deinen Geschichten auf. Ist das allerhöchste, die größte Schmeichelung, das höchste Kompliment, das sie kriegen können. Wenn eine Verschmelzung stattfindet, da redet einer vorne, trägt vor, hat Charts, hat Folien, weiß ich was, aber das Publikum hängt an seinen Lippen und geht in seinen Gedanken, in seinen Bildern die Worte nach. Das ist die höchste Qualität. Die erlebe ich leider selten. Meistens erlebe ich die Qualität, dass nach zwei, drei Minuten die Handy rausgenommen und gedaddelt oder die den Saal verlassen oder das Panel ausgedünnt wird, obwohl die Folien schön sind und gut designt, aber was anderes nicht stimmt. Die Beziehung zum Publikum.
SPEAKER_01Willkommen zum Corporate Therapy Podcast. Der eine oder andere Zuhörer oder Zuhörerinnen hat bestimmt mal mitbekommen, dass wir in diesem Podcast kommunizieren. Furchtbar schlechtere Intro, würde ich sagen. Aber wir dachten uns, wir nehmen mal dieses Thema des Kommunizierens, weil in der Regel sitzen hier in diesem virtuellen Raum mehrere Menschen zusammen und tauschen Wörter aus und wollen damit irgendwas verursachen. Dieses für den ein oder andere vielleicht triviale Thema des Kommunizierens wollten wir uns aber nicht so dilettantisch rangehen, sondern haben uns dazu einem Mann von Fach geholt. Einen Fachmann sozusagen. Und zwar den Herrn Jörg Michael Jünger. Guten Tag, Herr Jünger. Hallo Anna Gavi. Grüße Sie. Mit mir in diesem virtuellen Raum ist meine Kollegin Mary Jane Bowle-Tan. Guten Tag, Mary.
SPEAKER_00Hallo zusammen. Hallo, grüße Sie.
SPEAKER_01Herr Jünger, Sie haben einen, ich würde mal sagen, recht reichen Background im Kontext der, ich meine, Kommunikation oder Kommunizieren. Sie haben mal vor einiger Zeit ein Diplom gemacht in Publizistik, und zwar 1987, habe ich gesehen, da war ich zwei Jahre alt, waren ja lange Zeit Journalist, haben für ZDF, für NTV, für Vox, für Dreisatt, SWR und so weiter schon gearbeitet. Und seit vielen Jahren sind sie Dozent an der Gutenberg-Universität in Mainz und machen dort im Masterstudiengang Unternehmenskommunikation ein Seminar und haben, ich habe jetzt gesehen, da müssen Sie mich vielleicht korrigieren, haben zwei Unternehmen, die Sie gegründet haben, und zwar einmal Media Advice, wo sie einmal Medientrainer und Journalist sind und zum anderen auch Mienathleten, wo sie Sportprofis dabei helfen in der Medienkommunikation. Herr Jünger, die große Frage, die sich ja heute hier stellt, ist, was ist eigentlich dieses Kommunizieren? Ich meine, Sie als Mann vom Fach haben sich bestimmt schon mal Gedanken darüber gemacht, warum man das überhaupt macht.
SPEAKER_02Danke für die warmen und netten Worte zur Einführung, die ich gleich in Teilen korrigieren muss. Das Diplom war der Sportwissenschaftlichkeit, also sprich eins Diplomsportlehrer geschuldet. Das Publizistikstudium endete nach dem Grundstudium, weil das Fernsehen in der Berufslaufbahn dazwischen kommt. Aber dennoch ein bisschen angehaucht bin ich davon. Kommunizieren einfach gesagt, ich möchte, dass wir uns verstehen hier zu dritt, aber warum machen wir das Ganze? Wir machen es fürs Publikum. Und wenn Publikum uns zuhört, wenn es Zuhörenergie reinsteckt, will es einen Erkenntnisgewinnen, will es etwas haben von unserer Unterhaltung, von unserem Austausch, dann ist Kommunikation wirklich eine Ziele. Das ist mein Anliegen für die nächsten Minuten.
SPEAKER_01Vielleicht können Sie uns noch ein wenig erzählen, was genau machen Sie in diesem Kontext. Ich muss jetzt mal eine kleine Sache gestehen. Ich begleite sie auf ein bestimmten sozialen Medium und dort bin ich immer sehr begeistert, wenn ich sehe, wie Sie teilweise Botschaften von einigen Kollegen aus dem Unternehmenskontext nehmen und das so, ich nenne es mal, dekonstruieren und sie stellen immer eine Frage. Sie wiederholt sich, ich habe da ein Muster, glaube ich, erkannt. Vielleicht korrigieren Sie mich da auch wieder. Aber Sie fragen immer wieder, wo ist denn die Botschaft in dieser Nachricht?
SPEAKER_02Ja, die Botschaft fürs Publikum, für den Leser, für den Zuhörer, für den Zugucker. Bei einer Geschichte, die wir aus den Kindertagen kennen, würde man sagen, was ist die Moral von der Geschichte? Und der Journalist, der ich ein Leben lang bin und in seinem werde, der in Roll und Doppelfunktion auch Medientrainer ist, hat sich als Journalist irgendwann gefragt, wenn Menschen die Tiergeräte Schaumstoffrüssel vor die Nase gehalten bekommen, warum ist ihnen nicht klar, was mit ihnen und aus ihnen gemacht wird? Warum reden die zehn Minuten, wenn in einer Nachrichtensendung nur zehn Sekunden stattfinden? Dieses krasse Missverhältnis, dieses Unwissen, das hat mich letztlich auch zu den Firmengründungen Medienathleten, Sportler, Profisportler und Media Advice, Ratschlag für Menschen mit öffentlichem Auftritt gebracht. Ich bin mehr denn jede Erkenntnis zutage oder zugeneigt bekommen, dass Interviewpartner schamlos verdummt und ausgenutzt werden.
SPEAKER_00Aber aus einer Unwissenheit heraus, also beziehungsweise wo liegt da die, ich will jetzt nicht Schuld sagen, aber doch, wo liegt da die Schuld? Also quasi wem kann man das zurechnen, dass da ausgenutzt wird?
SPEAKER_02Die Schuld, um diesen hohen moralischen Begriff mal zu merken, ich ersetze ihn mal durch Verantwortung. Ich glaube, das ist das Treffendere. Die Verantwortung liegt immer beim Sender der Nachricht, bei dem, der das Zitat gibt, der den O-Toner, der das Southbete von sich gibt, also der öffentlich auftritt. Und jetzt sage ich es mal flach, ich muss wissen, in welche Tüte, in welches Format ich in sozialen Medien, im Radio, in der Printpresse und im Fernsehen gesteckt werde. Wenn ich das Format meiner Tüte nicht kenne, weiß ich nicht, wie ich mich darin bewege, welche Chancen, welche Risiken das bringt. Das letztlich ist alles die Verantwortung dessen der öffentlichen Auftritte. Und der wird riesig geschlankt. Die Motive sind vielfältig. Ich habe mal einen Rhetorikkurs vor vielen Jahren gemacht, ich kommuniziere täglich, ich bin Chef, ich kann das. Die meisten vergessen. Der Medienauftritt ist eine völlig künstliche Situation. Das hat mit einem normalen Gespräch nichts, aber auch gar nichts zu tun. Und das ist der größte Missstand in der Vorbereitung.
SPEAKER_01Vielleicht könnten Sie uns da helfen und ein wenig Hintergrund reinbringen. Wir haben uns ja im Vorgespräch schon etwas ausgetauscht, das würde ich vielleicht noch als Gespräch bezeichnen. Und Sie könnten, und ich nehme an, das erzählen Sie vielleicht auch dem einen oder anderen Studierenden in einer Vorlesung, woher kommt dieser Begriff des Kommunizieren? Was bedeutet er? Und was muss man sich denn bewusst machen, sozusagen daraus abgeleitet im Kontext von heutigen Medien, wenn man als Vertreter von Organisationen, wo man jetzt nicht in dieser klassischen Gesprächssituation ist, oder privaten Gesprächssituation ist, was muss man sich dann bewusst machen, wenn man sozusagen aus diesem Kontext kommt?
SPEAKER_02Den Studierenden, die ja später meist Sprecher oder in der PR landen, mache ich eins klar. Wenn sie öffentlich etwas von sich geben oder hervorbringen, ist es immer ein Trialog. Etwas, das zwei tun miteinander, aber ausschließlich gemacht für Dritte. Auf welchem Kanal das für Dritte dann, sprich, das Publikum dargereicht wird, ist eine sekundäre Frage. Erste Klarheit im Bewusstsein. Ich rede mit Herrn Agarfi und Frau Bolton, aber wir machen das für unser Publikum. Ich möchte meine Botschaften über sie, sie sind die Umlenkrollen, würde man beim Angel sagen, an mein Publikum bringen. Und sie umgekehrt auch. Das ist ja der spannende Widerstreit, das sind die dialogischen Fliehkräfte. Punkt 1. Punkt zwei, Sie müssen klare Ziele haben in diesem Dreieck. Also was möchte ich meinem Publikum sagen? Ich möchte meinem Publikum sagen, was der Dümmste kapiert, versteht der Gescheiteste auch. Mach deine Botschaften so schlicht wie möglich. Breche sie auf das Wesentliche herunter. Geschwurbelt, kompetenzpluppert und pseudogescheiter herreden, tun viele, können aber die wenigsten. Die Einfachheit, die Simplifizierung auf das Wesentliche, ist ein intellektuell extrem anspruchsvolles Kunsthandwerk. Ich kann nur dazu raten, es zu probieren. Der Fachmann wird ganz schnell merken, zehn Minuten Impulsvortrag kein Problem, sag es in 20 Sekunden ein Riesenproblem.
SPEAKER_00Also ich würde mal behaupten, es gibt ja in der 1-1-Kommunikation, wenn Leute sich einfach miteinander unterhalten, auch schon recht viele Kommunikationsprobleme oder Verständigungsprobleme, wo das, was gesendet wird, nicht unbedingt das gleiche ist, was empfangen wird. Also wieso auch immer. Aber da hat man natürlich die Möglichkeit, nachzuhaken. Also ich kann immer nochmal sagen, sorry, habe ich jetzt nicht gecheckt, können Sie mir das nochmal anders erklären. Das geht natürlich in der breiten Kommunikation nicht. Also wenn ich jetzt zum Beispiel etwas auf LinkedIn veröffentliche oder Unternehmenskommunikation extern, intern mache. Woher weiß ich denn, dass meine Nachricht klar formuliert ist?
SPEAKER_02Ich weiß es deshalb, wenn sie so weit runtergebrochen, so weit vereinfacht ist, dass der Wesenskern, das, was ich tatsächlich sagen will, bloß geschätzt ist nach Zwiebelhauptprinzip, weil der Zwiebel wird von außen nach innen geschickt, bis den Zwiebelkern erkennen. Alles an Details, an Relativierungen, an Add-ons, an sprachlichen Weichmachern, das sind ja verschiedene Ebenen, muss weg. Der Befehl im militärischen Rechtsum in der Kompanie ist deshalb so schlicht, dass der Blödsinn kapiert. Ich sage das ganz deutlich, dann machen die alle rechtsum. Wenn Sie sagen, ich habe das nicht gecheckt, wenn ein Journalist im Gespräch sagt, ich habe das nicht ganz verstanden, können Sie doch nochmal ausführen, Frau Holden, ist das eindeutig auf der Meta-Ebene, die Spiegelung, Ihre Botschaft ist nicht kondensiert. Sie ist in der Essenz nicht verdichtet und da hat eine Verständnisprobleme. Die erste Qualität im Reden ist, dass wir uns verstehen, dass Sie kapieren, was ich sage. Und umgekehrt, ob Sie mir zustimmen, meiner Meinung sind, ist eine zweite Qualität. Aber mir liegt ganz viel daran in diesem Podcast, dass unsere Kommunikation eindeutig nicht unter Missinterpretation und unter Missverständnis leidet, sondern klar und direkt ist. Ganz entscheidend.
SPEAKER_00Da haben wir natürlich ab und zu unsere Herausforderungen in diesem Podcast.
SPEAKER_02Ab und zu ist fein formuliert, sehr oft.
SPEAKER_00Mag vielleicht auch an dem Setup legen, weil wir gestartet sind mit der Idee von wir unterhalten uns und nehmen einfach mal dabei auf und eigentlich quasi das Publikum völlig ausgeblendet haben. Und jetzt so langsam, wo wir wissen, es gibt ein Publikum, wird das natürlich immer relevanter auf einmal.
SPEAKER_02Es muss Ihnen von vornherein klar sein, dass wenn wir uns in dem Raum, in dem wir jetzt hinbewegen, in diesem Format, ich habe es vorher Tüte gemacht, dass wir ausschließlich für unser Publikum die Botschaften setzen. Meine Botschaft ist nochmal, mach dein Ding so einfach wie möglich, deinen Inhalt, deinen Content neu damit. Du hast einen Verständniszwang, einen intellektuell kognitiven und du hast einen formalen. Es sind in der Welt der Medien immer mehr Botschaften, Stichwort overused, underinformed und immer kleinere Flächen und Zeiteinheiten. Also wenn ich nur noch acht Sekunden habe, wenn die Verwaltung auf Social Media noch sechs bis acht Sekunden ist, dann ist das nicht mehr mehr als ein oder anderthalb Sätze. Und dieser Satz muss die maximale Verdichtung der Information sein. Und das findet nicht im Gespräch jetzt statt, was wir gerade führen, sondern zuvor.
SPEAKER_01Sie haben auf LinkedIn eine Tagline, wo drin steht, Antworten werden zu Nachrichten. Das bedingt ja eine Sache, man hat Antworten. Und ich glaube, der Prozess der Antwortgenerierung ist wahrscheinlich eine eigene Herausforderung. Und was ich verstanden habe, und da können Sie mir vielleicht nochmal helfen, das nachzuvollziehen, Ihnen geht es ja im Wesentlichen darum, wir haben jetzt Antworten, wir haben Erkenntnisse, wie können wir diese jetzt kommunizieren? Und nicht unbedingt der sozusagen Erkenntnisprozess an sich.
SPEAKER_02Was fälschlicherweise meist abläuft vor Kamera, Mikrofon, Diktiergeräten, ist das, was Sie jetzt gerade umschrieben haben, ich nenne es Sprechdenken. Die Leute reden drauf los, damit sie erfahren, was ihr Schädel so deckt. Das ist der größte Fehler. Es gibt Kollegen, die Sprechdenken propagieren. Ich warne aufs Deutigste, aufs Schärfste, aufs Intensivste. Sprechdenken können Sie im Wald. Sprechdenken können Sie zu Hause mit Ihren Tomaten stellen. Mit denen können Sie Sprechenken. Da können Sie hin und her reden, die hören geduldig zu. Wenn ich nur zehn Sekunden habe on air, müssen die zehn Sekunden in den Moment kommen, wo es gilt. Und nicht fabuliert, resoniert oder kontempliert werden. Ich habe es ja hunderte Mal, tausende Mal erlebt das schon alles. Du bist draußen und die geben dir zehn Minuten Interviews und zehn Sekunden werden gesendet. Ich verspreche Ihnen, die Botschaft wird nicht die zehn Sekunden sein, die Sie wollen, das wird eine andere Botschaft sein. Und genau dort fängt es dann an und der Pressesprecher wird dann hinterhergejagt, ja, fang das wieder ein, guck mal, ob wir das klettern können, mach mal irgendwas, dass das nicht so stattfindet. Ungute Arbeit.
SPEAKER_01Ja, und ich glaube, hier treffen Sie für mich einen spannenden Punkt, denn aus einer wissenschaftstheoretischen Sicht ist natürlich das Sinieren im Gespräch und ein Erkenntnisraum und ein Diskurs natürlich super spannend. Wo im Grunde Leute, die sich über Themen austauschen, dann zu Erkenntnissen kommen, weil man so Gedanken verknüpft. Aber ich glaube, insbesondere dieser Teil, den sie ja sagen, antworten. Sozusagen dieser Sinierungsraum, wo man Erkenntnis bekommt, der muss ja aber, der verlässt ja irgendwann diesen Raum. Und dann hat man eine Welt, wo man im Grunde im Wettbewerb ist mit ganz vielen anderen Dingern, die unsere Sinnhaftigkeit suchen, sozusagen unsere Sinne aufmerksam sein wollen. Das ist ja das eine. Also man ist im Wettbewerb mit ganz vielen anderen Medien und Einflüssen. Und zum anderen, das ist ja auch super spannend, ich glaube, das, was sie ja auch, was ich auch sehr oft auf LinkedIn sehe, wo sie, da muss ich wirklich sagen, da machen es für mich sehr spannende Arbeit, wo sie ja wirklich sich hinsetzen und angucken, wie Politiker oder Unternehmer und so weiter, wie sie in Fernsehnachrichten oder in Interviews oder auch in Zeitschrifteninterviews, was da ankommt und sie zerlegen das und dann zeigen sie einem aus, na, guck mal, was da jetzt rausgekommen ist, wirklich da jedes Mal große Freude, mir das anzuschauen, ist dieses, sich bewusst zu machen, dass man, wenn man sich dann einem Medium einlässt, da ja natürlich auch jemand ist, der dieses Medium bearbeitet, und wie sie auch selber sagen, wenn ich jetzt zehn Minuten ziniere, wird aber der Medienschaffende vielleicht nur noch zehn Sekunden daraus nehmen und dann wird da vielleicht, da habe ich ja gar keine Kontrolle mehr drüber und dann kommt vielleicht eine Botschaft drüber, die nicht gewünscht ist. Und meine große Frage ist, den Kollegen, die auch teilweise sehr oft oder im Grunde fast täglich sich mit Medien, sei es jetzt klassischen Medien wie Fernsehen und Print, aber auch modernen Medien wie Social Media und Online und so weiter, das ist ihnen doch bewusst oder nicht?
SPEAKER_02Ja, offensichtlich ist es ihnen nicht bewusst. Ansonsten gäbe es keine Interviews mit fünf bis zehn Minuten Länge, wenn nur zehn Sekunden gesendet werden. Nochmal, in Ihrem Beispiel, da landen neun Minuten und 50 im Papierkorb für die Cuts. Das ist vergebliche Liebesmühle. Weil der Senierungsprozess, das Sprechdenken, das die eigene Botschaft entwickeln und die Gedanken filtern, vor laufender Kamera, on air stattfindet. Das ist der Mainbug, das ist der Hauptfehler. Die Senierung, das Sprechdenken, findet vorher statt. Das ist Vorbereitung und welche möglichen Fragen mir gestellt werden und ob meine Organisation deshalb in der Kritik steht und was die Öffentlichkeit von mir verlangt oder wissen möchte, das kann ich mir nun ohne große Weisheit abziehen. Es ist erschreckend und erstaunlich oder umgekehrt, wie blauäugig, naiv, überheblich, falsch motiviert, wie auch immer, die Gemengelage ist. Menschen öffentlich auftreten. Ich werde bis heute nicht verstehen, wenn Herr Nagavi heute Abend heute schon mal 15 Sekunden O-Ton kriegt, warum er dann mit mir 10 Minuten redet. Das Beste wäre, er redet genau 15 Sekunden und sagt in diesen 15 Sekunden das, was für 1789, Beyond the Revolution, das Entscheidende ist.
SPEAKER_00Das bedeutet aber ja auch, dass ich mir genau überlegen muss, welches Medium überhaupt geeignet ist, für welchen Sachverhalt. Weil bestimmte Dinge sind ja zum Beispiel benötigen Erklärungen. Das ist zum Beispiel ein, hier muss etwas beigebracht werden oder sonst irgendwas. Und dann dauert das natürlich länger. Also Sie machen ja keine Seminare in 15 Sekunden zum Beispiel, sondern Sie haben ja für die Seminare wahrscheinlich etwas länger Zeit als 15 Sekunden. Das heißt, nicht jedes, nicht alles ist geeignet, in 15 Sekunden auch tatsächlich kommuniziert zu werden. Das heißt, ich muss mir da vorher auch genau Gedanken machen, macht das überhaupt Sinn, dass ich da so auftrete, oder?
SPEAKER_02Also mein Innenwort pfeift gleich bei dem Seminarbegriff. Der hat immer so eine romantische Geschichte, man kann sich mal ein bisschen ausklinken und zurücklegen. Was ich mache, ist Training. Was ich mache, ist strategische Botschaftsentwicklung. Sie können sich in einem Seminar bei Media adweisen, mit dem Jünglinger nie zurücklegen. Acht Stunden lang. Ich bin ständig präsent in der Kleingruppe, maximal drei Personen bei ihm. Das heißt, Sie müssen ihre Botschaft und Sie können das auf das Wesentliche herunterkürzen. Jede Nachricht kann gekürzt werden. Der Leidenschmerz ist groß. Ja, das will ich noch sagen. Und die Erklärung muss noch rein und der Fakt muss noch drauf. Nein, muss es nicht. Sie haben nur zehn Sekunden oder 15. Das ist die Dual Time. Dann kommt das Daumen-Schafott und wischt den Link, die Hervorbringung oder den Post einfach weg, wenn er nicht den ersten oder zweiten Satz, am besten in der Headline, das transportiert. Und diese Headline, das kann man von Boulevard-Journalisten herrlich lernen, Bild, Kölner Express und andere, die verdichten maximal. Erst nackt, dann Bronze. Eine Judoka, eine Dame hat in Tokio Bronzemedaillen gewonnen. Die Überschrift war erst nackt, dann Bronze. Vier Worte. So, der hat sich zuerst nackig fotografieren lassen von der Sportbild und damit hat sie Olympia-Edelmetall gewonnen. Das ist die Moral von der Geschichte. Größer kann ja die restlichen hundert Zeilen, die drankommen, nicht mehr verdichten. Das ist genial. Erst nackt, dann Bronze. Das ist der Verdichtungsprozess. Und den beherrschen die allerwenigsten, weil sie glauben, sie müssen sich erklären, sie müssen Hintergründe lieben, sie müssen Details. Die Leute draußen haben weder die Zeit, das Format hat weder die Fläche und die Zeit, noch haben sie das Wissen, die Sachkunde, Erklärungen faktisch einzuordnen. Dieses ganze Gerede, wir müssen in der Sache diskutieren, lass uns das Ganze versachlichen, die öffentliche Diskussion muss versachtigt werden, ist grober Bullshit. Es gibt keine öffentliche Sachdiskussion. Weil dann müssen alle Fachleute im Fach Frauen sein oder Fachmänner. Die meisten haben ganz wenig Ahnung. Präimplantationsdiagnostik vor Bulden, therapeutisches Klonen. Sind Sie dafür oder dagegen? Ich denke, Sie kennen sich da aus. Nein, Katzen. Absolut. Sie wollen lieber Gott spielen. Sie wollen entscheiden, wer leben darf und nicht von den Embryonen. Spannendes Thema, können wir gleich weitermachen. Vorsicht, Vorsicht. Wir gehen ganz schnell rein mit Meinungen, die aber nicht sachlich unterfüttert ist. Ich habe in den wenigsten Dingen in diesem Leben eine sachlich fundierte Unterfütterung, einen Wissensstand, der Genüge tut, fachlicher Urteil zu fällen. Ich habe ganz viel Meinung. Und das ist unser großes Problem. Und die draußen eben, das Publikum, hat auch ganz viel Meinung. Und es kann eben ein völlig unpassendes Lachen von Herr Laschet, weil es körpersprachlich ist, der muss gar nichts sagen. Sofort dekodieren, selbst der Einfachste kann das dekodieren, übersetzen, was dieses Lachen in dieser Situation bedeutet und nichts zu suchen hat. Da brauche ich nicht mal ein Wort dazu. Das ist bei Bild, also bei Videokommunikation, das Brutale der Körper.
SPEAKER_01Ich wollte gerade einwerfen, aber da haben Sie für mich sogar schon fast in die Kurve gekriegt. Ich wollte nämlich gerade einwerfen, Sie haben natürlich dort eine sehr klassische deutsche Perspektive. Und wir kennen ja aus den USA, also ich hatte mal ein Buch gelesen über Storytelling aus den USA, dass doch Kommunikation, irgendwie 60 Prozent soll es Pathos sein und 20 Prozent Ethos und ganz wenig Logos und man soll große Bilder malen und so weiter. Es muss ich natürlich sagen, das Bildbeispiel hat das ja auch gerade gehabt mit dem Ethos-Pathos und Logos. Sehr verdichtet tatsächlich sogar. Aber nichtsdestotrotz, ich würde mal behaupten, ich habe ja eine ganz kurze Zeit auch in den USA gelebt und dass sich ja eher das Gefühl, auch wenn man dort Politiker reden hört, was aus meiner Sicht furchtbar ist, wenn Sie anfangen, immer aus diesem Pathos kommen und dann immer sehr viel Aufbau brauchen, um überhaupt zu einem Punkt zu kommen. Wie sehen Sie denn diesen Trend? War das früher anders? Ist es heute stärker? War es schon immer so? Oder liege ich da komplett falsch mit dieser Dreiteilung?
SPEAKER_02Also ich übersetze mal das Pathos und Sie korrigieren mich bitte als Emotion.
SPEAKER_01Korrekt.
SPEAKER_02Ja, oder Emotionen. Das muss ich eins grundsätzlicher werden. Wahrnehmungspsychologisch gibt es zwei Quellen, die Dinge in Erinnerung kommen. Das ist die reine, nackte Information, Daten, Fakten, Zahlen. Und es ist das Gefühl, dass diese Zahlen, diese Sache, beim Vortrag begleitet. When I nurten liefere, ohne Emotionen, merkt sich dann merkt sich das kein Mensch. Weil unser Hirn, Thalamus, Sache, Mandelkern, Amygdala, keine Verbindung herstellen kann. Bestes Beispiel. Jetzt nach dem Fehlen, wenn die Leute aus dem Urlaub kommen. Na, wie war denn euer Sommerurlaub? Ach, klasse, du, super. 500 Meilen in Florida, 80 Dollar hat das Wohnmobil noch gekostet. So, ach super, ist reine Emotion. Die Fakten, wo sie gefahren sind, wie viele Meilen, was die Karre gekostet hat, kommt hinterher. Erst wenn Fakten mit Gefühl gekoppelt ist, kommen sie in die Erinnerung des Publikums rein. Zurück zu den Politikern. Die nehmen das Pathos, die Emotion, weil sie mit ihren Reden, mit ihren Vorträgen in die Erinnerung des Publikums via Pathos reinkommen wollen. Jetzt ist die spannende Frage, wie glaubhaft ist die Emotion oder das Pathos? Da habe ich große Zweige bei ganz vielen Vorträgen.
SPEAKER_01Und wenn wir das mal nehmen und heute, und wie gesagt, ich kann da nur etwas so meine sehr subjektive Wahrnehmung geben. Wenn wir uns heute Unternehmenskommunikation angucken, also wenn wir erstmal diesen Schritt Richtung Kommunikation wagen, außer die Mary will gerne wieder zurückgehen, aber ich gehe jetzt erstmal diesen Schritt und diese neuen Medien nehmen. Ich meine, früher hatten Unternehmen oft einen PR-PR-Bereich oder einen PR-Leiter, der, ich würde mal behaupten, zumindest einige professionelle Basiskenntnisse hatte einer vernünftigen Unternehmenskommunikation. Da können Sie mich gerne korrigieren, ob diese Aussage wahr ist. Aber heute erleben wir ja im Kontext von Social Media und ganz vielen, ich nenne sie mal sogenannten Personal Branding Coaches, die dann auf Menschen zugehen und sagen, wie du doch kommunizieren solltest, einen ganz neuen Trend hin zu, ich sag mal sehr pathetischen Nachrichten in Social Media. Was ist denn Ihre Perspektive auf diesen Trend, der sich gerade im Kontext von Social Media aus meiner Sicht schon immer stärker ergibt?
SPEAKER_02Jetzt nehmen wir mal Social Media. Was haben wir? Wir haben den Zwang, den gnadenlosen Zwang zur Reduktion. Die Zeichenzahl ist beschränkt. Nehmen Sie Twitter, das ist noch beschränker als jetzt zum Beispiel bei LinkedIn oder anderen. Das heißt, allein der formale Zwang führt zum Headlining. Ich muss meinen breiten Pizza enger zusammenrollen, sonst kriege ich das dort nicht rein. So, und jetzt zeigt sich, ob jemand Nachricht, das ist aber auch mein Claim, Antworten werden Nachrichten, ob er seine Botschaften, die meist Antworten sind, als Nachricht formuliert, ins Format gerecht reinpinken. Das Wichtigste nach vorne, das weniger wichtige vielleicht ganz weglässt, daran erkenne ich das. So, zweites sind virtuelle Identitäten, Personal Branding, Zero-Kommunikation, dieses ganze Zeug. So, da werden Menschen mit Etiketten versehen, die Sie meist selber gar nie leben. Die schreiben auch selbst nicht das, was da veröffentlicht wird. So, das ist schon das erste ganz große Problem. Wie soll ich denn meine eigene Identität, meine Authentizität, sich selbst treu, echt und unverfälscht, über einen Ghostwriter rausbringen? Lächerlich. Vergessen Sie es, lächerlich. Das ist sehr charmant, dass Sie das sagen. Wenn, dann muss ich es selbst machen. Es muss doch aus mir kommen. Ich muss doch meine innere Wahrheit kennen, zu der ich stehe. So, fragen Sie Ihren Freund, Ihre Frau, Ihren Lebenspartner. Zehn Sekunden hast du Zeit, sag die drei Adjektive, die entscheidend für mich sind. So, die Zeit läuft. Humorvoll, gemütlich, lebensbejaht. Okay, wenn das meine Image, Etikette, meine Persönlichkeitsbanderungen sind, dann muss ich die eben auch leben können in Worttext, Ton und Bild nach draußen.
SPEAKER_01Ja, und ich würde sagen, alles austauschbar.
SPEAKER_02Ja, klar, alles austauschbar. Und wenn es ein Fremder macht, ist die Verbindung zu mir nach innen schon nicht gegeben. Zum Storytelling noch ein Wort. Eine gute Geschichte braucht zwei Dinge. Eine klare Handlung und einfache Worte. Alles andere ist geschwoden. Dieses ganze Storytelling-Gedöns hängt damit zusammen. Meine Großmutter hat gute Geschichten erzählt. Wir sind in ihnen aufgegangen, in einer Geschichte aufgehen. Dieser sprachliche Satz zeigt, dass ich in Gedanken das miterlebe, was ein anderer gerade mir erzählt, in meinen Gedanken. Ich bin aber ganz dicht gebunden an ihn. Im Englischen sagt man the beholders share. Die innere gedankliche Anteilnahme, auch gefühlsmäßig an dessen, was ein Antrag gerade mir sagt. Wenn ich das schaffe, bin ich beim Publikum, wenn nicht, the story get.
SPEAKER_00Da ist jetzt ein Wort gefallen. Authentizität, auch ein schwieriges Wort. Wie verhält sich das? Also natürlich, eine Person kann authentisch kommunizieren, wenn sie, erstens, wenn sie selbst kommuniziert und wenn ihre Handlung, ihre Worte übereinstimmen, dann würde ich sagen, das wirkt auf mich authentisch. Was ist denn aber mit einer Organisation? Also wenn wir jetzt über PR reden, die hat ja an sich keinen Wesen, also die ist ja keine Person. Wie gibt es Authentizität überhaupt im Unternehmenskontext, wenn ein ganzes Unternehmen kommuniziert, wo ja nicht nur eine Person, also zum Beispiel jetzt den Pressesprecher, den kennt man ja in der Regel nicht. Also ich weiß nicht, wer bei BMW die Pressearbeit macht, keine Ahnung. Ich weiß nur, BMW sagt XY.
SPEAKER_02Aber die Organisation als solche wird auch abgebildet über Menschen, die in Wort, Text, Ton und Bild auftauchen. Und diese Menschen, diese Protagonisten, die Meinungsbildner, Imageger sind, die transportieren oder auch nicht das Image. Den üblen oder schlechten oder guten Ruf oder Neumund einer Organisation. Es ist immer Nasengebunden, um es einfach zu sagen. When the Nase innere or your innere wahrheit kennt, dann wird auch the communication authentic sein. I have in the last time we have an ear, half a second. Not one second, obviously in a handbework, in a better hand, in a stimulus, in a few, in special, authentic. I am so what I am, but this I to say is a fest and tie-heraussage. And when they this überzeuging kennen, that communication so far begreified, then behaltbar and then berichtenswert ist. My claim, Antworten werden, Nachrichten. Dann sind sie von dieser Wahrheit getragen. Und diese Nahrheit wird sie authentisch sein lassen. Ob andere diese Wahrheit teilen, ob sie die sexy oder weniger gut finden, ist eine ganz andere Qualität. Die meisten haben aber ihre Authentizität, ihre innere Wahrheit überhaupt nicht gefunden. Und wenn ich die nicht habe, wird das mit Reden, mit Vorträgen, mit Podcasts, mit allen möglichen Formen immer schwierig.
SPEAKER_00Ja, ich glaube tatsächlich, dass es, also wenn sie das jetzt so sagen, damit viele wissen gar nicht, was ihre eigene Wahrheit ist, dann natürlich schwierig, aber ich glaube, es gibt tatsächlich auch einige, die kommunizieren, Dinge, von denen sie denken, dass sie gern gehört werden würden. Denken sich aber selber was ganz anderes und brechen aktiv quasi damit. Also und dann, da ist, da wird es, finde ich, dann super schwierig, auch mit der internen Kommunikation. Also einmal externe Kommunikation, gerade wenn wir so über Greenwashing und so weiter sprechen, aber auch in der internen Kommunikation, wenn es darum geht, wir machen eine Veränderung in der Organisation und dann behaupten wir XY, damit das beruhigend wirkt. Aber eigentlich denken wir uns was ganz anderes und dann ist es natürlich super unauthentisch. Und ich glaube, das wird auch bemerkt.
SPEAKER_02Der Prozess, ob ich eine Botschaft, eine Nachricht kondensiere, in ihrer Essenz, in ihrem Extrakt auslöse, verdichte. And my persönlich innere Wahrheit, ich könnte auch sagen, mein Credo, mein Glaubensbekenntnis finde, is in process immer einer der Reduction, der Verdichtung auf das Wesentliche. The dimension, ob das nach intern ging, der communication, nach extern, is nur eine Richtung. That dahinter steht, and the Ehrlichkeit, the direct ausmachen, is the erste B. I must capieren, what we done, and can mich nicht erwähnen, es verstanden zu haben. That is for me a schlüsselfatz. Das Publikum kann sich nicht erwähnen, es verstanden zu haben. Diese Hürden nehmen die allermeisten nicht. Die reden anspruchsvoll, hochwissenschaftlich, in der Melodie ihres Wissens aus ihrem Blickwinkel heraus, der Wissenschaftler gefangen im Elfenbeinturm oder auf dem Hohen Ross. Er denkt aber nie daran, dass es vom Publikum, für die es gemacht ist, her gedacht und ausgesprochen wird. Meine Kernfrage ist immer, wenn ich die Leute dann frage in dem Training, warum treten sie eigentlich öffentlich auf? Ich muss informieren, ich möchte überzeugen, ich möchte Daten und Fakten nicht machen. Nein, der Kern dahinter ist, dass wir alle in Erinnerung bleiben möchten bei unserem Publikum. Als Personen einzeln, als Personen für Organisationen. Aber der Kern jedes PR-Etars ist, dass etwas beim Publikum im kollektiven Gedächtnis hängen bleibt. Wenn ich den Anspruch nicht habe, dann kann ich das Geld in den Reihen, in den Main oder sonst nur hinwerfen. Oder wir machen eine schöne Party, per hocke.
SPEAKER_01Es gehen mir gerade sehr viele Gedanken durch den Kopf. Und ich muss natürlich jetzt diesen Raum nehmen. Ich hoffe, ich schwurbel nicht zu viel. Aber ich versuche mal was. Und zwar die eine Sache, die mir durch den Kopf gegangen ist, als sie das erzählt haben, war, es gibt aus meiner Sicht einen Unterschied zwischen einer internen und externen Kommunikation. Und zwar, dass in der externen Kommunikation ein Unternehmen ganz gut eine Fassade aufrechthalten kann. In einer internen Kommunikation die Fassade sehr schnell bröckelt. Aber ich glaube, der Prozess ist gleich. Aber die Mitarbeiter, die dann zum hundertsten Mal hören, wir werden XY sein und wissen, das ist schon wieder so eine Story. Aber wenn ich mir angucke, die Prozesse sind ja immer noch gleich, dann sind sie relativ schnell frustriert. Das ist das eine. Ich glaube, da ist es super schwierig, eine Fassade aufrechtzuerhalten, wenn es unauthentisch oder einfach auch nicht wahr ist oder nicht durchdacht oder was auch immer ist. Die andere Sache, die mir durch den Kopf geht, ist, jetzt sind wir in einem Kontext, einem zeitlichen Kontext, wo ganz viele neue Begriffe und neue Konzepte hochkommen, die aus meiner Sicht noch gar nicht wirklich durchdrungen sind von Unternehmen und vielleicht sogar gesellschaftlich. Das große Thema der digitalen Transformation zum Beispiel. Und wir hören gerade ganz viel, wie CEOs und andere, auch Politiker sogar, rumrennen und sagen, wir müssen digitalisieren, Schulen digitalisieren, alles digitalisieren. Und da wundere ich mich sehr oft, oder ein Begriff, wo ich immer Grusel bekomme, ist sowas wie CEO, Servant Leadership, Agiles Leadership und so ganz viele Wörter, wo ich mir die ganze Zeit denke, aber wisst ihr überhaupt, was das bedeutet? Und dann kommuniziert man das. Und dann, das ist wieder vielleicht der Brückenschluss zu meinem, was ich gerade gesagt habe, mit der internen und externen Kommunikation. Dann gehen CEOs hin und sagen nach außen hin, ich bin eine agile Führungskraft oder was auch immer. Und dann guckt sich der Mitarbeiter das an und senkt sich so, ja, aber was bedeutet das denn? Nichts hat sich geändert, außer dass du jetzt rumrennst und irgendwelche Wörter nennst. Und dann nennen wir auch gerne diese Wörter ja Buzzwords, also Wörter ohne Inhalt. Und das ist natürlich auch sehr spannend zu beobachten, weil da wird ja gar keine Botschaft gesendet, außer ein Buzzword.
SPEAKER_02Was sie beschreiben, ist Inhaltslehre. Ja. Und jetzt in meinem Verständnis, wenn eine Führungskraft betont, dass sie agil ist, ist es für mich eine Selbstverständlichkeit. Sonst muss sie keine Führungskraft sein. Ist ja auch kein Zwang dazu, Führungskraft sein zu wollen. Das mal ganz nebenbei. Agil ist für mich beweglich und Behände im Denken und auch im Handel, das dann folgt. Das zu betonen, ist im Prinzip schon ein Armutszeugnis. Es ist eine Selbstverständlichkeit.
SPEAKER_01Das ist wohl wahr. Aber wie sehen Sie das denn? Und ich meine, das ist jetzt ja wirklich eine Situation, womit jetzt Unternehmen, Politiker, Gesellschaft ja konfrontiert ist, dass wir aktuell schon, ob diese Aussage kann immer wahr sein, aber ich werde sie trotzdem mal jetzt machen, dass wir jetzt in so einer Art Umbruchssituation fühlen, dass dieses Thema der Digitalisierung mehr Raum einnimmt. Wie geht man denn dann damit um, dass man einfach auch gar keine Antworten hat auf die aktuelle Situation, aber gleichzeitig irgendwie Erwartungen sind, dass man darüber kommuniziert? Was würden Sie denn da sagen, wie geht man damit sowas um?
SPEAKER_02Das Bild, das mir im Kopf geht, während ich im Lausage ist, dieses Wort overwhelming, überwältigend. Ich werde zugekippt mit einer Informationsflut, die immer steigend in Anzahl und Größe ist. Immer komplexer anstatt konkret, immer abstrakter anstatt anschauend, heißt für die Kommunikation extern wie intern, dass ich aufgrund dieser generalthematischen Wetterlage schon verdammt nochmal einfach sein muss. Weil die Leute im Grund, in der Grundumdrehung schon überfordert werden. In einem Wandel, der schon immer da war, aber in seinem Tempo beschleunigt stattfindet momentan. Wir werden gnadenlos überfordert, überschwemmt. Sechs bis achttausend Reise täglich wollen an uns ran. Sechs bis 8.000. Und wir sind nur noch im E-Mail-Angang gucken, woher kommt das wichtig, die Lied, weg, weg, Wisch, Wish, Daumenschachwort, so. Wir sortieren nur noch raus, weil wir sonst erdrückt werden. Wir können es nicht mehr bewältigen. Heißt für meine persönliche Kommunikation für die Kommunikation von Unternehmen. Ich muss es appetitlich einfach machen. Mach den Punkt, in dem du auf ihn kommst. Nicht indem ich schwoble, rede und fabuliere, sondern vorher meine eingemachte Marmulade appetitlich präsentiere. Der Kanal und die Darreichung des Form sind dann zweite Fragen. Aber diese Grunderkenntnis, dass ich in einer Zeit, wo ich zugekippt werde, auch noch mitmache beim Zukippen, die ist völlig falsch. Genau das Gegenteilige ist.
SPEAKER_01Was ist denn mit Ehrlichkeit? Also, wie ist denn Ihre Perspektive darauf, wenn man wirklich dann vor einem Medium steht, sei es, man ist überrascht in einem Interview oder auch bewusst auf gesteuerten Kanälen, wie zum Beispiel LinkedIn oder anderen Online-Medien und sagt, wir wissen es einfach nicht.
SPEAKER_02Ja, wenn es so ist, ist das kein Makel. Ich würde das Wort nicht gebrauchen, also das würde ich streichen und sagen, ich bin überfragt. Das kann Ihnen niemand sagen. Das wäre das Wording, das ich geben würde. Aber es ist keine Schande, mit die Schulter hochzuziehen und sagen, das ist zu viel. Ich habe es nicht. Die Glaskuppel, den Blick drei Tage voraus. Das gilt allerdings nicht für Fragen, die in Krisensituationen oder Konfliktsituationen auftreten. Die muss ich vorher schon mir überlegen, was ich da mache, beziehungsweise auf mich zukommen.
SPEAKER_01Ja, genau. Also ich habe Krisensituationen, das sind ja nochmal besondere Situationen, aber das ist natürlich eine Sache, die mir sehr oft durch den Kopf geht, auch hier und da mal auf diesen sozialen Kanälen, dass ich mir denke, was soll denn ein Geschäftsführer, ein Forschern tun? Zum einen muss er sich erstmal um den Betrieb seiner Organisation kümmern. Also, das ist, würde ich sagen, auch Arbeit, die er da reinstecken muss. Aber gleichzeitig wird er genau, wie sie es sagen, also wird bombardiert mit Informationen zu, was alles eine digitale Transformation ist und wie er und seine Firma und sich alles ändern muss. Und dann gleichzeitig erwartet man von ihm eine Kommunikation drumherum. Und ich glaube, viele Forschende und Geschäftsführer und CEO sagen, okay, dann schnappe ich mir mal irgendwie, gucke ich mir ein Video an oder ich besuche ein Seminar, wo wir so eine Art Safari machen, wo ich mal erlebe, okay, das ist Digitalisierung. Also erzähle ich in Zukunft halt leere Phrasen. Und das ist wirklich eine Sache, was ist denn das richtige Vorgehen als jemand, der in Verantwortung ist für eine Organisation und das Bild nach außen tragen muss?
SPEAKER_02Die Frage ist, ist das das Vorrangigste, die Zelebrierung meines Ichs, oder gibt es tatsächlich intern zuerst mal viel zu tun, bevor ich die Eigenpflege, die Selbstbestäubung und die Eigenhofierung in Angriff nehme? Das muss jeder für sich selbst wissen. Ich persönlich würde zuerst im eigenen Laden, in den Strukturen arbeiten, bevor ich nach draußen dann sage, wie toll und wie gut und wie verständlich und wie klasse ich das mache. But that muss jeder selber wissen, wie er in einem Workflow, in seiner Arbeitsweise vorangeht. The groundpunkt is nochmal der wesentliche. Wir Menschen sind analog. Wir können nicht digital alles gleichzeitig. Multitasking geht nicht. Wenn wir Videos gucken, Fernsehschauen, Radio hören, ist immer zuerst das Bild, die Information des Bildes, Step 1, Priorität 1, und dann kommt der Ton oder der Text hinten dran. Gleichzeitig geht das nicht. Das muss einem klar sein. Folglich ist die ganze digitale Geschichte, ich mache jetzt fünf Sachen, gleichzeitig führt allein schon im Anspruch oder dem Ansatz zu völliger Überforderung, die Menschen nicht leisten können. Sie sehen das an Riesenfahnen, im E-Mail-Verkehr, wo 17 Menschen in CC kopiert werden, in Verantwortungsdiffusion, in Entscheidungshemmungen, weil jeder sich mit dem anderen absichert und keiner lässt sich dafür verantwortlich sein. Das sind so aber kleine Ausblühungen.
SPEAKER_01Sie machen das ja jetzt schon eine Weile, diesen Themenkonstrukt. Ich meine, Sie haben das ja früher in klassischen Medien als Journalist und so weiter gemacht und aber auch schon sehr lange als Medientrainer für Führungskräfte und auch sehr viel Krisenkommunikation. Sehen Sie denn dort eine Bewegung, dass sich der Zeitgeist bei der Kommunikation der Führung geändert hat oder auch der Anspruch an der Qualität, wie kommuniziert wird? Oder ich meine, das ist wirklich so eine Sache, heute ist ja der Weg, mediale Aufmerksamkeit zu bekommen, würde ich behaupten, einfacher als es früher war. Also ein LinkedIn oder ein Twitter-Post ist relativ schnell gesetzt und hier und da mit ein wenig Reichweite kann es auch mal ein wenig verbreitet werden. Wie ist denn deine Perspektive auch im Sinne von Wandel, sowohl zum einen den Anspruch der Führungskräfte, aber auch die Medien, denn man kennt ja noch diesen guten alten Begriff: The medium is also the message, also it is the message, nicht also the message. Dass das Medium ja auch die Botschaften beeinflusst, wie man verschickt.
SPEAKER_02Das erste Problem ist, Kommunikation mache ich täglich, seit Lebensbeginn, folglich kann ich's. Diese Annahme mag intern privat funktionieren, sobald es öffentlich wird, gibt es viele, ganz viele abschreckende Beispiele, dass es nicht so ist. Punkt 1. Ich wiederhole gerne, Medienauftritt ist eine künstliche Situation. Sie hat mit einer normalen Unterhaltung nichts gemeint, weil wir nicht miteinander reden, sondern für Dritte reden. Der dritte Punkt ist, die Entwicklung geht dahingehend, dass Führungskräfte sagen, ja, wir bauen unsere eigene Pipi-Langstrumpfwelt, rosa-rot. Wir brauchen gar kein Medium, keinen Proof mehr, einen dritten im Dreieck. Wir bedienen die sozialen Medien, unsere Homepage bedienen wir selber. Wir sind Sender und auch gleichzeitig Inhaltgeber. Was ich früher als Journalist abgefragt, den Proof sozusagen gemacht habe, die Atlung, eher im Interview über ein Medium zu bestehen und seine Botschaften durchzukriegen, den kann ich heute umgehen, indem ich meine eigenbesteuerten Botschaften über eigenen Kanal ganz gezielt setze. Das heißt aber auch, dass wenn ich den Proof, die Überprüfung dessen weglasse, dass die Qualität teilweise erheblich sinkt, beziehungsweise auch die Glaubwürdigkeit verlustig geht. Es hat eine andere Qualität, in der FAZ ein ganzzeitiges Wortlaut-Interview zu geben mit anspruchsvollen guten Journalisten, als selber irgendeinen Text loszuwerden, der von irgendeinem gekauften Fragensteller veröffentlicht wird. Dieser Proof, wenn der Publikum fehlt, kostet eher Glaubwürdigkeit, definitiv. Und diese rosa-rote, eigenemachte Social Media Welt ist mit großer Vorsicht zu genießen. Und wenn Sie es hinterfragen, platzen ganz schnell die Seifen platzen. Ganz schnell.
SPEAKER_01Das heißt, dass sozusagen durch den Fakt, also das ist jetzt einfach nur mal meine Ableitung, durch den Fakt, dass Unternehmen heute den einfacheren Zugang haben und sagen, okay, ich mache mir meine eigene Medienwelt, hat sich so ein bisschen angehört, wie der chinesische Staat auch gerne kommuniziert, aber das ist mal ein eigenes Thema. Dadurch, dass das jetzt möglich ist, dass sie die Fähigkeiten, die man früher haben musste, heute gar nicht mehr so stark vorhanden ist und damit im Grunde die Qualität sinkt, einfach durch den Fakt, dass früher musste man durch Reporter, durch Journalisten und so weiter durch, heute muss man das nicht mehr. Und dementsprechend legt man weniger Wert auf die Fähigkeit, weil dort musste man diesen Proof liefern und heute nicht mehr. Und das hat eine Wirkung auf die Kommunikation von Unternehmen.
SPEAKER_02Das hat aufs Publikum eine ganz entscheidende Wirkung, ob ich meine eigene Soße mache, um es mal so zu sagen, oder ob ich meine eigene Soße von einem Journalisten oder einem Medium abschmecken, durchlöffeln und durchziehen lasse. So, das ist der qualitative Unterschied. Und die meisten gehen den Weg des geringsten Widerstands, weil sie glauben, da spuckt mir keiner in die Suppe und ich kann machen, was sie will. Ja, können sie ja tun. Nur was auf der Strecke bleibt, ist eben der dritte Punkt im Dreieck. Es ist kein Dreieck mehr. Es ist eingemachte, bunte, Bippi Langstrumpfeld, vier mal vier gibt 18 und morgen ist gestern gewesen. Ja. Wer es glaubt, wird selig. Ich kann nur noch mal sagen, ich warne davor, weil der Wirklichkeitsbezug zur Realität des Publikums, zu deren Lebenswirklichkeit verloren geht. Und das ist die größte Schwäche bzw. die größte Gefahr, die dran steckt. Ja, Corporate Influencer bestehen, Gottes Willen. Da wird Generationen beigebracht, freies Denken. Und jetzt kommen Influencer, die mich beeinflussen wollen. Influencer klingt wie Influenza, wie eine Seuche, wie die Grippe. Das sage ich auch gemacht. Ich will überhaupt nicht influenced werden. Ich habe ein Hirn bekommen, Augen und Ohren, um zu lesen und ein bisschen was zu verstehen. Ich habe ein mittelmäßiges Abitur gemacht. So, aber ich kann halbwegs aufnehmen und mir ein Beurteil bilden. Ich möchte mir mein Denken nicht beschneiden lassen von irgendwelchen Menschen, die meist auch mit ihrer Sitzung. Erfahrung an Jahren nicht dazu angedieben sind, mir irgendwelche Lebenshinweise, Ratschläge oder sonstige Brücken zu gehen, wo ich gar nicht drüber gehen will. Es ist ein Unwesen und ich warne vor diesem ganzen Getue und Geheimsch.
SPEAKER_01Bevor die Mary einschreibt, ich muss eine Sache kurz erwähnen, weil ich finde das wirklich hervorragend. Das ist natürlich ein super Verfeiß auf den letzten Podcast, wo wir mit dem Kollegen Wolfgang M. Schmidt, der hat nämlich ein Buch geschrieben über Influencer, die Ideologie der Werbekörper. Haben wir über Corporate Influencing kurz gesprochen. Und jetzt in Kombination mit dieser Episode finde ich das nochmal deutlich lustiger, weil wir in der letzten Episode gesagt haben, jetzt möchten alle Unternehmen, dass ihre Mitarbeiter so Influencer werden. Und der, dann soll der Karl Heinz aus der IT-Abteilung posten auf LinkedIn, wie toll es ist, hier zu arbeiten. Und man gibt dem mal so einen Kurs, wie man Social Media macht und so weiter. Und dann machen sie es noch in der Arbeitszeit. Also nicht nur, dass es, also der Wolfgang Schmidt hat ja eine Perspektive, das kann ja nicht sein, dass man den Mitarbeiter das noch aufobtruiert und dann noch am besten in der Freizeit. Und ich finde, ihre Perspektive ist eigentlich auch nochmal sehr spannend. Aber das führt ja dazu, dass man eine komplette diffuse Informationslage bekommt, wo was sind denn überhaupt noch, die Botschaften, da sind ja noch mehr unerfahrene Kollegen, die sich mit diesem Thema noch beschäftigen sollen müssen. Und vielleicht noch eine Sache dazu. Und dann noch im Sinne von, wir sind intern im Wettbewerb, weil die Mitarbeiter alle für Karriere anstreben, setzt man noch alle Mitarbeiter unter Druck, da mitzumachen, was ich nochmal vorhanden habe.
SPEAKER_02Sie müssen sich, jetzt drehe ich das Gedanke gerade noch eins weiter. Sie müssen sich vergegenwärtigen, welche Denke, Neudeutsch, welcher Mindset den Mitarbeitern dagegenüber im Kopf der Handel denn ist. Die werden bevormundet, in Rollen gezwängt, die sie überhaupt nicht ausfüllen können. Das eigene Denken wird ihnen geraubt. Also wenn ich dieses Verständnis von Personal, von Menschenführung, von Menschenbild habe und das auch noch öffentlich als großes Lob zelebriere, dann muss ich mich wirklich fragen, wes Geisteskind bin ich und wie ist mein Denken überhaupt aufgestellt. Also mich schaudert, ob ich zwischen Mitleid und Entsetzen wank, ich weiß nicht, wahrscheinlich ist gar ein Übersprungslarm, was ich habe. Es ist irre auf gut Deutsch. Irre.
SPEAKER_00Ja, und ich glaube, gerade das große Wort Authentizität ist da ja komplett raus. Also wenn ein Unternehmen vorgibt, was man zu kommunizieren hat, als guter Corporate Influencer, man das aber ja aus seiner Person heraus eigentlich tun sollte, damit das authentisch wäre, dann das funktioniert ja nicht zusammen. Das ist ja.
SPEAKER_02Ich muss doch als Stapelfahrer die Palette ins Hochregal sauber reinfahren können und nicht währenddessen ein Aufsager machen, das Handy vors Gesicht halten und dann noch grinsen und gute Botschaften absetzen.
SPEAKER_00Ja, beziehungsweise wenn ich das, also wenn das mein Bild. Und ich das total super finde, da Stapler zu fahren und das gerne der Welt zeigen möchte, dann kann ich das ja tun. Aber wenn das Unternehmen das mir vorgibt und sagt, hier bitte mach das mal, damit die Leute dann das so ankommt, dann ist das natürlich pervers.
SPEAKER_02Wir wollen jetzt gerne, es ist pervertiert. Und diese Entwicklung, und das ist jetzt in der Kommunikation, in der PR, pervertiert schon ein bisschen mit drin, das ist ja pervertiert. Das ist ja erstaunlich, dass genau dieses Tun, diese Bevormundung von Menschen im Handel und im Geiste auch noch zelebriert wird als Errungenschaft der Kommunikation. Da muss man wirklich ganz kranzwert.
SPEAKER_00Was natürlich bei den Influencern gut funktioniert oder beziehungsweise die Illusion gut aufgebaut ist, ist, dass da eine Beziehung zu den Zuhörern aufgebaut wird, weil es ja eben kein drittes Medium gibt, weil ich normalerweise immer direkt die Ansprache mache an meine Zuhörer. Aber da hätte ich jetzt auch nochmal eine Frage an Sie, gerade aus dem Wort Public Relations. Inwiefern ist denn überhaupt eine Beziehungsbildung möglich in einer ja eigentlich einseitigen Kommunikation? Also wenn ich jetzt als Unternehmensvorstand ein Interview gebe oder etwas, dann sind ja das Publikum nicht direkt in Beziehung mit mir, sondern ich bin in Beziehung mit der zweiten Person und das Publikum als dritte, die adressiere ich zwar, aber die Wechselwirkung ist nicht direkt. Inwiefern ist denn eine Beziehungsbildung dann da?
SPEAKER_01Zu der Gruppe, die nicht dabei ist, darum geht es.
SPEAKER_00Zu der Gruppe, die nicht dabei ist, genau.
SPEAKER_02Das Medium, der Vertreter des Mediums, ist nochmal, den muss ich in Kauf nehmen, erst die Umleitung, der Weg, um über sein Medium, über den Podcast, über die ganzzeitige Wortlaut-Interview-Geschichte der FAZ, über den Live-Auftritt im Heute-Journal oder BRTL oder sonst wo, um ins Medium zu kommen. Aber während ich mit dem Medium und dessen Vertreter rede, muss ich gnadenlos auf mein Publikum zuhalten. Das ist ein Kampf, ein Arm drücken. Wer kriegt seine Botschaften durch? Der Medienvertreter hat immer andere Ziele ihr Gegenüber, als ihre Ziele es sind. Da sind sich die meisten auch nicht im Klaren drüber. Die meisten sind Antwortgeber, abgefragt werdende, Interviewpartner sind sie nie, bei Partnerschaft ist es nicht. Meistens hecheln Sie reaktiv hinterher, sind auf der Dialogebene unten, vergessen aber oben das Publikum, die Menschen daheim interessiert. Ich will Ihnen sagen, was die Leute in der Schlange beim Lidl bewegt. Jeder hat in seinem Leben schon erfahren. Wenn Sie die Wirklichkeit von Menschen, für die es gemacht ist, mit Beispielen jetzt und solchen Redewendungen abholen, halten Sie direkt auf Ihr Publikum zu. Also anders formuliert, was ist Ihre Geschichte, Ihre persönliche oder die Unternehmensgeschichte in der Story des Mediums? Die muss transportiert werden. Da haben sich die meisten keine Gedanken gemacht, die hocken hin und beantworten Fragen. Ja, schön für mich, wenn ich als Journalist da sitze.
SPEAKER_01Aber um da nochmal die Frage von Mary aufzunehmen. Kann überhaupt eine Beziehung, also im Sinne von Aufbau von, oder vielleicht, Mary, was kann ich direkt machen? Was meinst du? Also ich hätte jetzt gesagt, mit Beziehungen ist so, ich fühle mich verbunden zu der Person, die das erzählt. Und da kriege ich irgendwie so, ach, keine Ahnung, der Elon Musk, ich mag ihn so sehr, weil er so toll mit mir kommuniziert, oder? Oder über den dritten oder so.
SPEAKER_00Einmal das und Beziehungen setzt ja auch eine Gegenseitigkeit irgendwie voraus.
SPEAKER_01Ja, das machen die Influencer, ne? Aber den Influencern denkt man immer, dass sie meine Freunde.
SPEAKER_00Die nehmen dann die Kommentare und da wird dann besprochen und bla bla bla, also das wird er da recht viel gemacht, aber in der klassischen Kommunikation stelle ich mir das sehr viel schwieriger vor.
SPEAKER_02Also der Beziehungsaufbau fängt, nochmal, wir haben es eigentlich schon gefragt, fängt mit dem Verstehen an. Ich kapiere, was Frau Bolden und Hannah Garfi mir sagen und umgekehrter Jünging hat den anderen meinen. Beziehungsaufbau ist im ersten Schritt, die Grundlage von Kommunikationsqualität, die da heisst, verstehen kapierbar sein. Wenn ich verstehe, was an anderer sagt, wenn es eine Qualität hat, die mystündel oder mit gepaarter Emotion anspricht, Thalamus und Mandelkern angeregt werden, hat es die Chance, merkbar zu sein. Nicht merkwürdig. Merkwürdig kenne ich ganz viele tagtäglich. Merkbar is ein hohes Gut. When my Botschaft, my Zitat, my Aussage merkbar ist. Also mein Hirn sagt, oh, da ist was, das behalte ich mir. Und die dritte Stufe des Beziehungsaufbaus ist, dass ich das Gemerkte als bemerkenswert, und da ist der Begriff Wert drin. Als ich bewerte Beziehungsaufbau, das, was mir gesagt wird, als wertvoll. Und wenn es mich emotionalisiert hat, werde ich darüber berichten. Oh, gestern hatten wir einen Podcast mit dem Jüngling, also da war die und die Geschichte drin. Wenn sie es weitererzählen, das ist die Emotionalisierung, das ist der Beziehungsaufbau in drei Schritten. Sei sofort verständlich und kapierbar, Schritt eins. Wenn du das bist, bist du merkbar und kommst in den Kral der Erinnerung. Die meisten scheitern da an, 90, 99 Prozent der Nachrichten. Wenn du im Gral der Erinnerung deines Publikums bist, drinnen, nicht draußen, erzählen die, weil emotionalisiert als Träger der Information das weiter. So, das ist das Entscheidende im Aufbau, die ich über einen Journalisten machen muss und die ein guter Influencer, wenn man ihn denn braucht, auch direkt im 1 zu 1-Talk zu seinem Publikum machen kann.
SPEAKER_01Aber jetzt ist natürlich interessant, wenn ich mal wieder diese Aussage. Habe ich die Frage deutlich beantwortet. Sie haben die Frage deutlich beantworte, oder wenn ich da kurz paraphrasieren darf, ist, wenn man nicht mit seinem Publikum emotionalisiert und versteht, was in ihren Köpfen los ist, dann kann ja überhaupt gar keine Beziehung entstehen. Das heißt, das muss klar sein und dann können aus den Botschaften daraus Nachrichten und dann kommen sie bei den Leuten an und die Leute verstehen das und emotionalisieren mit denen. Deswegen finde ich die Antwort sehr spannend und ich möchte sie mal wieder um einen Gedankenraum erweitern. Und zwar, um diese Aussage wieder hochzuheben, die ich vorhin hatte, mit dem das Medium ist die Nachricht, ist ja heute eine Sache, die die Influencer, also ich fange mal an mit den klassischen Influencern auf YouTube und so weiter, schon eine sehr interessante Sache dabei, die, ich würde behaupten, sie emotionalisieren sehr gut mit ihren Zuhörern. Also ich meine wirklich so diese klassischen, die versuche Produkte an kleine junge Menschen zu verkaufen. Die emotionalisieren sehr gut damit und sie haben das um einen Schritt aus meiner Sicht nochmal erweitert. Denn dieser Beziehungsaufbau ist sehr nah. Denn, was sollte man ja ganz oft in YouTube-Videos, kommentiert das doch mal bitte in den Nachrichten, in den Kommentaren. Erzählt mir doch mal, was ihr dazu denkt. Und dann oft an den nächsten Episoden sagen, ich hab in den Kommentaren gelesen, so und so. Das hat sich in den letzten X Jahren auf YouTube schon sehr stark etabliert, sodass wir ja schon den Weg von dem Ding nehmen, in Corporate Influencing. Dass wir heute Postings auf LinkedIn sehen, wo dann der Person XY Unternehmensprecher XY oder wer auch immer vom Unternehmen sagt, ey, kommentiert das doch mal bitte. Und hier habe ich mal eine Umfrage, diese drei Punkte, das würde ich mal gern von euch wissen. Und wo dann schon ich, also ich jetzt nicht als Human, aber sagen wir mal Persona X, das Gefühl hat, oh, die Person, mit der kann ich ja wirklich kommunizieren. Und die sagt, ich soll das kommunizieren und ich soll bei diesem Voting mitmachen und so weiter. Dass da schon nochmal die Qualität im Sinne von, ich sag mal, Login, also dass ich als Empfänger nochmal so ein Login habe, denn er hat mir ja auch zu, was ja früher im klassischen Medium ja fast gar nicht möglich war.
SPEAKER_02Also das, was Sie beschrieben haben über die Aufforderung zum Kommentieren, ist ja gezieltes Abhängigmachen. Von Unwissen. So, ich habe wieder eine Griffstelle in der Kommunikation, wo ich das Rad weiterdrehe und die Vorlagen aus den Kommentarspalten für die nächste Kommunikation nutze. So. Da findet ja aber kein kritisches Hinterfragen statt oder eine Auseinandersetzung im gedanklichen Führung wieder. Sie müssen mal die Karriereschweife und die Hinterradfahrer in den Gefälltmirfahren bei Posts von Unternehmensgrößen sehen. Ja klar, das machen alle Gefälltmir und Platschen, Patsche-Patsche-Hähnchen, die irgendwas werden wollen in dem Laden. Da postet hat dies Schlagzeilen, die da lauten, die Entwicklung von Top-Führungskräften gehört nicht zu unseren Stärken bei VWI. Ich sage es nochmal langsam zum Mitschreiben. Die Entwicklung von Top-Führungskräften gehört nicht zu unseren Stärken bei VWI. Also deutlicher kann ich meine Human Resources, meiner Personalabteilung, all denen, die bei uns anfangen, nicht eine vor den Koffer haben. Und du hast X-Leute drin aus der Personalabteilung, die das leiden, mit gefällt mir. Das ist im Klartext, heißt es, ihr macht euren Job schlecht, ihr kriegt keine guten Leute hin. Warum bezahle ich euch so teuer? Also es ist nochmal, das ist pervertiert. Und ich frage mich, ob diejenigen, die das machen, sich bewusst sind, was sie denn da so sagen und auch posten. Ich sage Ihnen und deshalb schreibe ich es ja heute mal winkend, sie wissen es nicht. Und das ist tragisch.
SPEAKER_01Oder, Herr Jünger, und jetzt bringe ich mal, ich versuche, ich weiß nicht mehr.
SPEAKER_02Wir sehen mir meine Leidenschaft nach.
SPEAKER_01Nein, nein, nein, nein. Ich teile ihre Leidenschaft sehr leidenschaftlich. Und ich würde gerne einen Perspektivwechsel reinbringen, denn diese Kollegen, die wir dort beobachten, die das posten, also ich würde mal sagen, die CEOs von VW und so weiter, die schreiben ja ihre Posten nicht selber. Das sind dann eher von PR-Abteilungen geschrieben, die sind ja einigermaßen noch PR-lastig. Aber wenn wir uns ein paar Ebenen drunter angucken, da sind ja ganz viele so komische Botschaften, wo man sich denkt, okay, was wollt ihr mir, also nicht-Mitarbeiter bei euch sagen? Und ich würde behaupten, dass viele LinkedIn-Posts oder Social Media im Grundsätzlich, wenn man Mitarbeiter da auch was machen, das Publikum ist die Führungskraft und nicht wir. Also wenn die Person XY von einem tollen Workshop erzählt und wie toll dieser Tag, wie sie gelernt haben und so weiter, und ich mir das durchlese und ich denke, ja, was habt ihr denn gelernt? Was habt ihr denn gemacht? Also ich höre, ich lese mir das doch gerade durch. Was ist denn, was denn? Und dann denke ich mir so, ja, aber vielleicht gegenüber seiner gegenüber seiner Führungskraft, sagt er so, ja, guck mal, wir haben ganz viele bunte Bilder und das ist doch gerade Innenbau unser Unternehmen und das funktioniert als Botschaft bei uns in der Firma, weil ja Unternehmen und Organisationen ja nochmal eine ganz andere Kommunikationslogik haben als die gemeine Außenwelt.
SPEAKER_02Ja, aber was für ein krasses Missverhältnis, was du beschreiben. Wie viele Millionen sind auf Leben? Das ist breitestes Massenpublikum. Das ist Breitenwirkung per se. Und dann kommen sektiererische Unternehmensragen, tolle Vertriebstagung, exzellenter Vertrieb, dickes Kompliment an Human und sein Team, exzellente Arbeit. So, da erlaube ich mir dann, manchmal nachzufragen, was ist die Nachricht für den geneigten Leser. Wenn ich eine WhatsApp-Gruppe bilde oder eine E-Mail-Verteile, wo ich meine Leute lobe, dann ist es ja Target a fine messaging, um aus einem Unwort, so ein Buzzwort zu nehmen. Aber für ein breites Publikum hat das null Relevanz. Es hat keine Bedeutsamkeit. Und da gibt es auch so viele selbstgestrickte Sicklichkeiten und Anstandsdamen, die Banalitäten ventilieren. Und wenn du sie kritisierst, wirst du bei ihnen blockiert und ausgelistet, habe ich die Tage auch erlebt. Komm vor, muss man aushalten. Sie können dir die Nachricht aber nicht sagen. Die Nachricht ist, ich inszeniere dich. Sonst ist keine Nachricht da. Und das ist für Publikum nun definitiv das größte Armutszeugnis, wenn ich Inhaltslehre auch noch so dokumentiere.
SPEAKER_01Daher wäre auch wirklich meine These. LinkedIn ist eigentlich mehr Facebook geworden. Und ich meine, bei Facebook ist ja Bewei Räuchung ganz normal. Das ist ja das, was man ja macht mit seinem persönlichen Netzwerk. Und heutzutage arbeitet man, also ich glaube, die ist eine unwissenschaftliche These. Früher hat man das auf Facebook gemacht in der Uni. Und jetzt arbeitet man und man kann ja nicht seine Arbeit auf Facebook posten, also postet man es jetzt auf LinkedIn und beweichert sich sozusagen dort drin, wie tolle Arbeit man macht. Und ich meine, diesen Kommentar liest man tatsächlich öfter von Leuten, wo man sich denkt, wo Leute auch so Geschäftssachen gepostet haben. Wir haben einen Workshop gemacht, dann steht darunter aber, hallo, wir sind hier auf LinkedIn, nicht auf Facebook. Und dann denkt man sich das auch, oh ja, stimmt. Für wen machen wir das eigentlich? Ich meine, ich würde mich selber davon jetzt nicht befreien, dass ich das nicht auch mal gemacht hätte. Aber das ist halt wirklich eine Sache, die wir auf LinkedIn natürlich in einer sehr spannenden Form sehen. Aber jetzt mal wieder auf die höhere Ebene gebracht. Stellt sich ja die Frage: ein Unternehmen muss ja sich bewusst werden, was es kommunizieren will und sollte. Und da erleben wir wahrscheinlich wirklich eine sehr hohe Diffusion.
SPEAKER_02Es zeigt, dass das Nachrichtenhandwerk, und da bin ich jetzt nur leider als Journalist, berufsgeschädigt, weil das musste ich jahrelang zu Beginn machen, Nachrichten schreiben bis zum Afghanistan, bis ich davon gelaufen bin. Dass das Nachrichtenhandwerk unterentwickelt ist. Ich darf mich doch loben, ich darf ja auch zeigen, was ich Tolles habe und wie toll die Vertriebsstartung war und wie edel ich im Denken bin und was für Gutmensch und wie energiebewusst und den Klimawandel unterstütze und nur Recycle-Tonshow oder Sneaker trage. Darf ich ja alles machen? Aber es bleibt Selbstlob, Eigenbestäubung und Eigenhofierung, wenn nicht ein relevanter Fakt für breite Masse dabei ist. Also was ist der Nutzen, wenn ich das lese? Was ist der Nutzen, wenn unser Podcast gehört wird von neu? Und eins nehme ich für mich im Anspruch, man muss mir nicht zustimmen. Aber bei jedem Post, den ich mache, wenn ich kritisiere, ich tue es manchmal hart, gebe ich einen Nutzen mit, der da heißt, ich mache einen Lösungsvorschlag, wie es anders und für meine Auffassung besser zu machen wäre oder ist. Und das ist Kritik in Rechtfertigung, kritisiere ja, aber dann sag auch bitte, wie es besser geht. Das vermisse ich bei Spielen, den Nutzen. Ich lese dort Dinge, habe aber keinen Nutzen.
SPEAKER_01Jetzt überlege ich mir, wie oft sie sich bei meinen Posts schon zurückgehalten haben. Ich glaube, das ist das ein oder andere Mal schon vorgekommen.
SPEAKER_02Ich war manchmal geneigt, runterzuschreiben, geht es auf den Tick revolutionärer, rebellischer und radikaler. Ja. Ich möchte Sie dazu auffordern. Ja, definitiv.
SPEAKER_01Man muss, also vielleicht diese Anekdote sollte man noch dazu bringen, das habe ich hätte nicht mal anfangen bringen sollen. Ist ja, wie Sie ja auch angefangen haben, überhaupt mit in diesen Medientraining-Kontext einzusteigen. Sie haben ja damals Aufzeichnungen gemacht von Nachrichtensendungen, wo dann Unternehmer und Politiker reingekommen sind, Interviews gehalten haben, sie haben die dann genommen, analysiert und haben das Videotape inklusive ihre Analyse zugeschickt. Deswegen verstehe ich auch, warum sie das auf LinkedIn machen. Und sie tatsächlich, sie kritisieren, aber sie geben ja, sie öffnen ja auch immer Räume. Deswegen ist das ja für mich als Massenpublikum, sind wir ganz spannend, sich das durchzulesen, weil ich ja dann auch immer so kleine Nuggets finde, wo ich denke, so, ah, okay, cool, das ist nochmal spannend, darauf sollte man ja auch achten.
SPEAKER_02Ja, ich habe mich natürlich auch gefragt, wie positionierst du dich? Ich habe keinen großen Etat, ich habe auch keine Agentur, die es macht. Ich mache, das ist schon handgeschrieben und eigenproduziert, alles, was da kommt. Und ein guter Post braucht Zeit und ich schreibe ihn zuerst mal auf ein separates Blättchen, nicht direkt rein, und dann wird er zwei, dreimal noch drüber gelesen, redigiert und umstrukturiert, bis er wirklich nachrichtlich gut ist. So, in der Masse mitschwimmen hat keine Chance. Folglich musst du dich über die Qualität. Und die Qualität heißt bei mir nutzen. Und das ist mein Anspruch. Wenn jemand ein junger Post oder einen Media-Adweis-Post liest, hat er hinterher einen Nutzen. Dieses Gefühl muss ich einstellen. Und wenn das so ein kleines goldenes Nugget ist, ich habe es in dem Bild bezeichnet, wenn es das ein bisschen Glanz bleibt, bin ich zutiefst zufrieden.
SPEAKER_00Sehr schön. Ich würde mal vielleicht auch kurz zusammenfassen, was bei mir bis jetzt hängen geblieben ist für im Sinne aus diesem Podcast. Ich habe mir parallel, wie ich das immer mache, natürlich ein paar Notizen gemacht. Und habe eigentlich so drei Sachen, die ich jetzt haben wir jetzt zum ersten Mal, machen Sie diese drei Sachen, dann ist es gut. Also das erste war, man muss selber verstehen, was man überhaupt denkt und sagen möchte. Was ist eigentlich meine eigene Botschaft? Da muss ich mir selbst darüber bewusst sein. Und dann muss ich Sie kürzen und zwar so kurz machen, dass ich das innerhalb von zehn Sekunden vermitteln kann. Das muss kapierbar sein, merkbar sein und die Beziehung funktioniert, wenn andere dann das weitererzählen. Also wenn sie darüber sprechen, wenn sie das nehmen, wenn sie das selbst verwerten können.
SPEAKER_02Dann ist meine Botschaft zur Nachricht geworden, wenn es weitererzählt, natürlich.
SPEAKER_00Sehr gut. Und also damit das funktionieren kann, muss ich natürlich auch mein Publikum verstehen, damit ich weiß, in welcher Situation werden sie auf dieses Medium treffen. Muss ich das in 15 Sekunden sagen oder vielleicht nur in acht? Wie viele Zeichen kann ich dafür nutzen? Und auch wo wird das wahrscheinlich gelesen und konsumiert. Und zu guter Letzt Emotion und Fakt gehen immer zusammen, weil man sich sonst nämlich nichts merken kann.
SPEAKER_02Also der letzte Satz ist wirklich ganz wichtig. Information ohne Emotion ist in Massenmedien völlig wertlos. Zu Ihrem Glaubenssatz. Ich kann es Ihnen sagen, wir unterhalten uns heute im Podcast über die maximalen Tessauren prädispositionierter Rezipienten und deren Kommunikationssubstrate im massenmedialen Social Media um. Ich hoffe, dass das Thema bei Ihnen angekommen ist und sie hier elektrisiert.
SPEAKER_00Ich schreibe das dann auf als Podcast-Beschreibung für dieses und dann gucken wir mal, wie viele Leute anklicken.
SPEAKER_02Ja, dann werden Sie alle sagen, der ist Wahnsinn wieder. Was für ein Geschwurbel ist das, wenn man gezeigt hat, die synergetischen Restaurant? Nein, sag's einfach. Der Titel lautet, du hast nur eine Chance, wahrgenommen zu werden, wenn du auf den Punkt kommst und deinen Punkt kennst. Punkt. Damit haben wir den Titel. Wenn es okay ist. Mir gefällt er ganz gut.
SPEAKER_00Oh, ich finde auch ein wunderschönes Abschlusswort eigentlich. Ich weiß nicht, möchten Sie noch irgendwas mit auf den Weg geben? Gibt es noch was?
SPEAKER_02Schlusswort bekommt immer der hat ja angeklagt, ja, vor Großem Gericht. Nein, in der Rolle fühle ich mich nicht. Die Botschaft nach draußen ist, wenn du öffentlich oder wenn sie öffentlich auftreten, mach dir the way there forbereiting. Kondensiere de inner wahrheit, deine Botschaft, deine Content, dein Thema, deine Aspect. Wie filigran, wie feindliedrig? Das ist eine zweite Frage. Vorbereitung is das A, 70 bis 80% of Erfolg or Miss Erfolg stehen oder falsch. Bereite dich auf das Format vor. In welche Tüte werde ich geschickt? Es ist ein Studio-Live-Besuch mit zwei Fragern. Was nun, Frau Kanzlerin, ist etwas gänzlich anderes als ein Radio-Interview-Telefon live zu geben, beispielsweise. Es gibt ganz viele Formate. Du musst die Formate kennen, um Bestand zu haben. Und dann der dritte Punkt. Seid gesprechhandwerklich, so wie du mit anderen reden. Can you durchsetzen, kannst du by Widerstand in einer plausiblen, verständlichen Weise gegenwehr leisten, ohne dass du in hierarchische, unsympathische Muster, lass mich ausreden, Moment, das geht so nicht, hör sie auf. That alles is nicht gut. When ich keine Antwort habe, das heute auch schon habe oder nicht weiter weiß, Stichwort Ehrlichkeit. Wenn das Publikum plausibel versteht, warum ich jetzt keine Antwort habe, wird es innerlich nicken und sagen, ja, ich kann die Frau oder den Mann nachvollziehen. Deutlich mache ich den Punkt. Das sind die drei wesentlichen Dinge, Entschlusswort. Und dann gelingt das auch mit dem Auftritt, wenn man sich das nicht vor Augen mit Bewusstsein führt, kann das gelingen, kann aber auch ziemlich oft schief gehen.
SPEAKER_01Ich würde leider jetzt ihr Schlusswort direkt erstmal entschlüsseln.
SPEAKER_02Das spricht nicht für die Verständlichkeit. Da muss ich nochmal machen.
SPEAKER_01Nein, nein, nein, das war nur ein Witz. Ich wollte irgendwie Schlusswort, weil ich möchte gerne zwei Sachen noch ergänzen. Eine Sache, die wir heute nicht besprochen haben, aber eine Sache, die sie auch tun, ist es Krisenkommunikationstraining. Das sind ja sehr besondere Situationen, wo man sehr ausgewählt seine Worte wählen muss. Ich hätte gesehen, sie hatten einen Post dazu gemacht über den Herrn Laschet, der sich entschuldigt hat für die Situation und die sie sehr deutlich gemacht haben, in so einer Situation entschuldigt man sich, man bittet um Entschuldigung.
SPEAKER_02Und er hat es bei den Plagiatsvorwurfen in seinem Buch, ob sie es auf mich zurückzuführen ist, weiß ich natürlich nicht. Da hat er um Entschuldigung gebeten. Er hat sich nicht selbst entschuldigt, reflexiv gedacht.
SPEAKER_01Genau, ich glaube, das ist auch nochmal sehr spannend, wie nuanciert an der Stelle auch Kommunikation sein muss.
SPEAKER_02Auch wie klar mein Denken ist. Ich kann Herrn Nagavi oder Frau Bollden um Verzeihung, um Nachsicht, um Entschuldigung bitten, ob Sie die gewähren, ob das Publikum die gewährt, ist Ihre Entscheidung. Ich kann nicht sagen, ich entschuldige mich, da bin ich handelnder und mich mehr kulpa freisprechen.
SPEAKER_00Ja, und da sind wir auch wieder bei dem Filter, den man sich vielleicht selber einmal geben sollte, um zu checken, was habe ich da jetzt eigentlich gerade gesendet, ist das eigentlich das Richtige oder vielleicht lieber ein anderes Wort wählen.
SPEAKER_01Genau, ich glaube, das ist nochmal sehr spannend, weil das zeigt auch nochmal Demut, was ja auch in solchen Kontexten nicht untrivial ist. Um jetzt mal das finale Schlusswort nochmal aufzubauen, denn ein wenig Werbung muss ja auch sein, Herr Jünger. Denn wie ich hatte ja schon das Glück, die Frau Bolton leider nicht, aber ich hatte das Glück, auch schon mal von Ihnen ein Training zu bekommen. Und damit würde ich es gerne nochmal diesem Podcast auch beenden und jeden Zuhörer, der hier und da sehr spannende Informationen hier gesammelt hat und Lust hat, da tiefer reinzugehen, ein Training mit Ihnen ist wirklich eine Freude. Also mir hat das unglaublich viel Spaß gemacht. Sie sind sehr kritisch. Sie neigen dazu, auch mal das Teufelsadokat reinzuspielen, um mal da reinzupreschen. Wir hatten mal einen Tag mit Ihnen gemeinsam und dann hatten wir glaube ich auch nochmal eine ergänzende Session. Das war sehr lehrreich ist der falsche Begriff. Ich würde sagen, es war sehr pragmatisch. Ich habe sehr viel gelernt und danach auch sehr viel mitgenommen und auch sehr viel angewandt. Von daher würde ich sagen, jedem Zuhörer oder Zuhörerin sei Media Advice hoch ans Herz gelegt. Denn das war auch nochmal ein großes Vergnügen. Es ist schon ein paar Jahre her. Müsste man vielleicht irgendwann wiederholen.
SPEAKER_02Also ihr eine extra Systole habe ich gerade beim Herz gemerkt, Extra Schlag, Dankeschön. Punkt zwei, was Sie schildern, spricht dafür, dass ich in Erinnerung geblieben bin. Denn es ist schon einige, also sprich der Claim, Info ohne Emotion funktioniert nicht. Das hat funktioniert. Das dritte ist, ja, ich bin vital am Ü60 Plus. Bin streng zu mir, aber auch streng mit anderen. Hart, aber herzlich im Umgang. Das Ergebnis ist, Sie lernen wirklich etwas und es bringt sie weiter.
SPEAKER_00Sehr gut. Das verlinken wir natürlich in den Shownotes. Und damit danken wir Ihnen ganz, ganz herzlich für Ihre Zeit und für die Ausführung.
SPEAKER_02Ich gebe dir Dank voll und findet zurück. Hat Spaß gemacht und gerne in irgendwelchen anderen Video. Mal wieder oder sonst wieder. In diesem Sinne.
unknownCiao.
SPEAKER_02Dankeschön. Tschüss. Danke für das. Ciao, ciao.